Angekommen?! (Offene) Kinder- und Jugendarbeit mit jungen Geflüchteten

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Julia Rahe stellt 15 Punkte Plan vor

Kriege, Krisen und Arbeitslosigkeit veranlassen Menschen weltweit ihre Heimat zu verlassen. Geflüchtet oder ausgewandert befinden sich diese Menschen in schwierigen  Situationen. Und so ist auch die Lebensrealität von geflüchteten und zugewanderten Kindern und Jugendlichen in Deutschland in der Regel von Ungewissheit, Perspektivlosigkeit und Ausgrenzung geprägt. Mit der Zunahme von Flucht und Zuwanderung wird auch die (Offene) Kinder- und Jugendarbeit herausgefordert, sich stärker einzumischen.

(Offene) Kinder- und Jugendarbeit hat aufgrund ihrer Prinzipien und Methoden besonderes Potenzial, um den Umgang mit geflüchteten und zugewanderten Kindern und Jugendlichen in unserer Gesellschaft mitzugestalten. Zudem ist es für sie nicht ganz neu, mit geflüchteten und/oder zugewanderten Kindern und Jugendlichen zusammen zu arbeiten – Zuwanderung aus dem Osten in den 90. Jahren des letzten Jahrhunderts: die Aussiedler. Gleichzeitig wirken sozialpädagogische Angebote vielerorts vereinzelt oder nebeneinander her. Oder es gibt sie nicht. Wie kann es also gelingen, auch geflüchtete und zugewanderte Kinder und Jugendliche besser in ihrer Entwicklung zu fördern und sie gleichberechtigt zur Selbstbestimmung zu befähigen?

Diese Fragen beschäftigen uns im CVJM-Rahden seit wir mit dem YMCA Café International im November 2014 gesartet sind. „Wie können wir die jungen Geflüchteten integrieren? Denn dazu brauchen wir  die, die schon da sind! Und wie gelingt es uns, dass die alten bleiben und die neuen kommen?“

Gleich am Anfang haben wir die Erfahrung gemacht, dass die alten OT-Besucher die neuen angesehen haben und gefragt habe: „Was wollen die denn hier?!“ Und einige von den alten Stamm-Besuchern sind dann nicht mehr gekommen. Das hat  uns beschäftigt, wir haben darüber gesprochen, welche Angebote wir den alten Stamm-Besuchern machen können, dass sie spüren, für sie ist weiterhin Platz in der Einrichtung.
Um in diesen Fragen weiterzukommen, haben zwei Mitarbeitende aus dem CVJM-Rahden im Februar 2016 an einer Fachtagung der Arbeitsgemeinschaft Offene Türen in NRW (AGOT) teilgenommen. Es war gut zu erleben, dass wir mit unseren Fragen und Problemen nicht alleine sind, sondern dass ganz viele Menschen in NRW an diesen Fragen dran sind.
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Judith Rahner, von der  Amadeu Antonio Stiftung, führte in das Thema ein und stellte einen 15 Punkte Plan  für eine Willkommensstruktur in Jugendeinrichtungen vor. Viele dieser 15 Punkte gehören schon immer zur Arbeit in offenen Einrichtungen. Hilfreich ist dieser Plan aber, weil er die Themen für eine Willkommensstruktur bündelt. Mitarbeitende in offenen Einrichtungen bekommen dadurch ein Werkzeug in die Hand, ihr Handeln zu überprüfen, Schwerpunkte zu setzen oder Neues in den Blick zu nehmen.

agotftg2In den anschließenden Workshops wurde schnell deutlich, dass wir alle vor den gleichen Herausforderungen stehen. Unsere Erwartung, bewährte und erprobte Praxisbeispiele für gelingende Integration zu bekommen, wurde nicht erfüllt. Gut war aber zu spüren, wir sind nicht alleine mit unseren Fragen und die ‚anderen‘ stehen vor den gleichen Problemen . Wir hatten sogar eher den Eindruck, dass wir in Rahden mit dem YMCA Café International, der Fahrradwerkstatt und der Offenen Arbeit auf einem guten und erfolgreichem Weg sind. Die gute Zusammenarbeit mit dem Präventionsrat Rahden und der Stadt Rahden könnte Vorbild für andere sein. Die Fachtagung hat uns daher bestärkt, unseren eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Wir werden im CVJM-Rahden darüber nachdenken müssen, welche Arbeitsbereiche wir stärken wollen, wo wir kooperations Partner brauchen oder aber was wir getrost sein lassen können.
Festzuhalten ist, dass die Arbeit mit Geflüchteten oder Zuwanderern eine Bereicherung für die Jugendarbeit ist. Bei allen Aktionen achten wir darauf, dass wir die ‚Neuen‘ dabei haben. Unser Ziel dabei ist Mit- und Selbstbestimmung von allen Beteiligten.

 

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