YMCA Bo Sierra Leone Reisebericht 2016

Reisebericht von E. Geisler

Sierra Leone, Westafrika

YMCA Sierra Leone Homepage: www.ymca-sl.org

Hände desinfizieren und Temperatur messen – Sierra Leone nach Ebola Sierra Leone in Westafrika hat eine schlimme Zeit hinter sich.

Im Juli 2014 dämmerte es allmählich allen, dass die Ebola Epidemie im Dreiländereck Guinea, Liberia, Sierra Leone außer Kontrolle geraten war. Doch schon vorher hatten die „Ärzte ohne Grenzen“ davor gewarnt. Es gab so gut wie keine Erfahrung mit diesem Virus. Seine Symptome waren sehr allgemein. Durchfall, Erbrechen, Fieber…

Nach denen hätten es auch „alltägliche“ Krankheiten und Beschwerden sein können, wie auch eine Malaria. Nun kam es darauf an, die Krankheitsherde zu isolieren, Menschen, bei denen die Krankheit ausgebrochen war und die zu finden, mit denen es nach dem Ausbruch zu Kontakten gekommen war, um auch sie in Quarantäne zu bringen.

Die Überlebensrate lag bei ca. 50 Prozent. Alles das brachte heftige Einschnitte in den Alltag in Sierra Leone. Landstriche wurden abgeriegelt. Größere Versammlungen durften nicht mehr stattfinden. Man schüttelte sich nicht mehr die Hände. Im Sammeltaxi saßen nur noch zwei Personen  auf der Rückbank. Airlines flogen Sierra Leone nicht mehr an. Das Land war isoliert! Die Bestattung von Toten musste „steril“ erfolgen, alle Schulen waren fast ein Jahr geschlossen.

Das alles waren harte Eingriffe ins soziale und kulturelle Leben des Landes. Es ging aber auch an die wirtschaftliche Basis von Sierra Leone. Die Öffnungszeiten der Märkte und Geschäfte wurden beschnitten. Weil keine Gäste mehr kamen, schlossen Hotels. Menschen verloren ihre Arbeit oder blieben für viele Monate ohne Gehalt und Einkommen, weil auch der Kleinsthandel in die Knie ging. Menschen litten Hunger. Hier konnten wir den Mitgliedern des YMCA Sierra Leone innerhalb eines Jahres mit sechs Lieferungen von Grundnahrungsmitteln, wie Reis, Öl und Zwiebeln helfen.

Nach zwei langen Jahren bin ich im Januar nun selber wieder im Land und besuche YMCA-Ortsvereine und den Nationalverband. Und an allen Ecken stoße ich auf Relikte der bitteren Zeit mit dieser Seuche. Am 7. November 2015 wurde Sierra Leone von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Ebola frei erklärt. Jedoch ist seit 7. Januar die Ebola freie Zeit wieder kurzfristig zu Ende, denn ein neuer Fall ist aufgetaucht. Jede Menge Kontaktpersonen hat man unter Quarantäne stellen können. Jedoch hat man einige noch nicht ausfindig gemacht, so jedenfalls habe ich‘s hier gehört.

Immer noch ist man im Lande sehr wachsam. Zwar sind viele Körpertemperaturmess-Stationen an Straßen aufgelöst worden, doch noch gibt es welche. Für mich hat die Nachebola-Erfahrung bereits auf dem Flug nach Freetown, der Hauptstadt von Sierra Leone, begonnen. Statt des sonst üblichen Einreiseformulars wurde ein einseitiger Gesundheitsfragebogen an die Passagiere verteilt, der auch alle persönlichen Daten abfragte. Noch vor dem Betreten des Flughafengebäudes musste jeder Passagier sich seine Hände mit einer Desinfektionsflüssigkeit reinigen. Nach der Passkontrolle wurde bei jedem der Fragebogen vervollständigt, Temperatur gemessen und in das Dokument eingetragen. Ohne erhöhte Temperatur ist es kein Problem einzureisen. Kaum auszudenken, wenn man mit einer leichten deutschen Grippe dem Distanzthermometer gegenübersteht…

Schon auf der Fahrt zum YMCA-Hostel in Freetown sehe ich immer wieder Poster, Plakate und Wandbeschriftungen, die die Ebola-Epidemie zum Inhalt hatten, so: „Wer wenn nicht Du, kann Ebola stoppen?“ – „Überlebende sind unsere Heroen! – Stoppt das Stigma!“ Und dann ist die erste Begegnung mit den Schwestern und Brüdern im YMCA Sierra Leone für mich schon sehr besonders, denn man darf wieder Hände schütteln und sich auch umarmen. Bis hin zum erklärten Ende der Ebola-Epidemie war das undenkbar. Man hat sich zugewinkt und jeglichen Körperkontakt vermieden. Wann immer ich die Veränderung des Verhaltens zurück zu den alten Gewohnheiten anspreche, ernte ich ein Strahlen und Freude. Doch noch sitzt die Zeit der tödlichen Bedrohung sehr tief. Nach jeder Begegnung in einem Ortsverein ist im Wagen erst einmal Händedesinfektion angesagt. So ganz scheint man „dem Braten“ noch nicht zu vertrauen, zumal ja der aktuelle Fall zeigt, dass Wachsamkeit immer noch angesagt ist. Auch vor dem Betreten eines Hotels bitten einen die Sicherheitskräfte, sich erst einmal die Hände zu desinfizieren…

Die Zahl neuer Ebola-Fälle ging dann im Verlauf des letzten Jahres merklich zurück, so dass die Regierung Mitte April den Schulbetrieb wieder aufnahm. Nun, wer als Schulkind so überaus lange „Ferien“ hatte, muss sich an den neuen Lebensrhythmus erst noch gewöhnen. Wen wundert’s, dass einige es wohl noch nicht geschafft haben. So stellt ein Plakat von ‚Unicef‘ 14 fest: „Wir sind bereit, wieder zur Schule zu gehen! Bist Du’s auch?“

In meiner knappen Zeit in Sierra Leone besuche die die Regionalzentren in Kenema, Bo und Freetown. Und jedes Mal wird mir von den verantwortlichen Ehrenamtlichen bestätigt, wie wichtig und hilfreich die „Solidaritätsreislieferungen“, die Verteilung der Grundnahrungsmittel war, gerade auch zu den christlichen Feiertagen Weihnachten und Ostern. Immer wieder wird betont, dass der YMCA in dieser schweren Zeit im ganzen Land die einzige Organisation war, die sich mit Hilfe des CVJM-Westbundes direkt um ihre Mitglieder hat kümmern können. „Die Hilfe kam gerade zur rechten Zeit“, so Lesley Whenzel, der Vorsitzende der Westregion des YMCA Sierra Leone. Ähnliches drücken auch die Vorstandmitglieder der Ortsvereine in der Südregion (Bo) aus.

Es blieb aber in diesen Monaten nicht bei der Lebensmittelhilfe. Wegen der überaus schwierigen Versorgungslage hatten viele Familien den für die nächste Aussaat gelagerten Reise essen müssen, um nicht Hunger zu leiden, was dann aber zu großen Problemen für die nächste Vegetationsperiode geführt hätte. So konnten mit Hilfe des CVJM-Westbundes einhundert von Ebola betroffene Familien Saatreis, Dünger und Werkzeuge erhalten.

Einige von ihnen treffe ich in dem kleinen Ort Tikonko, gute zwanzig Autominuten von Bo, der zweitgrößten Stadt des Landes, entfernt: Tity Gbando, eine Frau, sie ist Chief, also die Vorsitzende des Gemeinwesens von Tikonko. Sie selber hat ihren Mann durch Ebola verloren. Er hatte in den vergangenen Jahren vielen Kindern von draußen im gemeinsamen Haus Obdach gegeben. Jetzt muss sie alleine 25 hungrige Mäuler stopfen. Der Saatreis hat ihr eine Perspektive gegeben. Es sind nur sieben Personen im Haushalt, den James Ndanema, ein junger Erwachsener, vertritt. Seine beiden Eltern sind durch Ebola ums Leben gekommen. Damit waren die Kinder ganz alleine auf sich geworfen. Der Saatreis war für sie alle eine reale Überlebenshilfe.

Beide, wie auch die anderen, die zu dem Treffen in der offenen Versammlungshalle von Tikonko gekommen sind, teilen das gleiche Schicksal. Mit dem Ebola-Fall in der Familie wurden sie ausgegrenzt und an den Rand des Gemeinwesens gedrückt. Einmütig zeigen sie ihre tiefe Dankbarkeit über die unerwartete Hilfe vom YMCA. Zwischen sieben bis fünfundzwanzig Menschen, je nach Haushalt, profitieren von dieser Investition in die Zukunft. – In der Zwischenzeit würden sie auch im Ort nicht mehr von den anderen gemieden…

Nach all den Besuchen und den vielen Begegnungen im Hinterland geht es dann wieder zurück in die Hauptstadt. Einige Kilometer vor dem ersten Vorort ist ein Seil quer über die Straße gespannt. In jedem Auto und jedem Minibus, die durch Seil und Polizei zum Halten gezwungen werden, wird bei jedem Mitfahrenden mit einem Distanzthermometer die Körpertemperatur ermittelt. Es geht darum, möglichen Verdachtsfällen schnell auf die Spur zu kommen.

Auch Christian Kamara, der Generalsekretär des YMCA Sierra Leone, muss sich dieser Prozedur unterziehen. Einen letzten Zwischenstopp auf der Rückfahrt gibt’s dann noch im Rohbau des Vereinsheims des YMCA Waterloo. Wen wundert’s, dass auch hier Ebola Thema ist. Die Randbezirke dieses aus Richtung Hinterland ersten Vorortes von Freetown wurden ganz besonders von Ebola heimgesucht.  Auf der Weiterfahrt halten wir schließlich noch kurz am Ortsausgang von Waterloo an der Gedenkstätte für die vielen vielen hier mit Namen aufgeführten Opfer dieser schlimmen Epidemie, die mehr anrichtete, als nur die Gesundheit anzugreifen und das Leben zu nehmen.

 

Glaube mit Tiefengrund – Nach-Ebola-Hilfe der „CVJM-Aktion Hoffnungszeichen“

Jetzt im Juli wieder in Tikonko, dem kleinen Ort, eine halbe Stunde Schotterstraße und unzähligen Schlaglöchern von Bo entfernt, treffe ich eine kleine Gruppe von Bewohnern, denen durch den YMCA geholfen werden konnte. Sie sind Bauern und leben mit ihren Familien von den Erträgen des Ackers. Derzeit wird der Sumpfreis aus den Anzuchtbeeten ausgepflanzt. Eine kleine Finanzspritze aus dem CVJM in Deutschland hat sie wieder handlungsfähig gemacht und sie wieder auf die eigenen Beine gestellt. Andere haben mit dem Geldbetrag einen Grundstock für ihren Kleinsthandel anschaffen können und kamen damit endlich wieder „ins Geschäft“.

Fünfzig von Ebola besonders Betroffene und dadurch in den wirtschaftlichen Ruin Getriebene wurden in der Umgebung von Bo, der zweitgrößten Stadt von Sierra Leone vom YMCA ausgewählt. So auch Theresa Conte: ihre fünf Kinder hat sie durch Ebola verloren, ihre Mutter und zwei Cousinen, die mit ihr im gleichen Haushalt gelebt haben. Mit den 500.000 Leone (ca. 75 €) konnte sie u. a. Hülsenfrüchte und Reis für ihren kleinen mehr als bescheidenen Marktstand einkaufen, der sich eher auf dem Boden abspielt, und ist jetzt nicht mehr dringend auf Hilfe von außen angewiesen. Mit ihrer Arbeit kann sie zum kargen Auskommen der von der Ebola verschonten Restfamilie beitragen. Sie haben überlebt.

Die kleine Gruppe in Tikonko bedankte sich auf sehr bewegende Weise für die empfangene Unterstützung. Obwohl die Preise für Reis und Lebensmittel bedenklich angestiegen sind, übergaben sie eine große Tüte mit gerade frisch aus dem Boden geernteten Erdnüssen, die man eigentlich noch ein wenig hätte im Boden lassen und dann für gutes Geld verkaufen können sowie einen ansehnlichen Beutel mit selber geerntetem Reis. Ja, sie sind sich sehr bewusst, dass sie ohne diese Hilfe aus dem deutschen CVJM nicht so ohne weiteres wieder auf die Beine gekommen und „Schmalhans“ ihr täglicher Begleiter geworden wäre, bis dahin, dass sie hätten Hunger leiden müssen, wie es immer noch in vielen Orten der Fall ist.

Und weil Sierra Leone eine religiös gemischte Gesellschaft ist, hat der YMCA Mitglieder anderer Religionsgemeinschaften nicht ausgegrenzt. Das ist sehr konkrete Basismissionsarbeit. Schon im Januar besuchte ich Tikonko. Auch damals kam Ibrahim, der Imam der Hauptmoschee, zu dem Treffen, zu dem der Christliche Verein eingeladen hatte. Und wie selbstverständlich bat man ihn, ein Dankgebet zu sprechen, denn ein Pastor war nicht dabei. Und als es aber einem der Teilnehmer dämmerte, dass ja wohl die Hälfte der Anwesenden Christen waren, reklamierte dieser, dass man ja nun schließlich auch das „Vater unser“ beten müsse. Da falteten wir Christen die Hände und legten so unspektakulär Zeugnis von unserem Glauben ab, der durch die praktische Tat »Tiefengrund« bekommen hatte.

Ganzheitliche Hilfe für Kinder und Jugendliche in Sierra Leone, die Ebola überlebt haben

Die Seuche Ebola hat gute eineinhalb Jahre in Sierra Leone gewütet und Tausende sind daran gestorben. Es sind aber nicht nur sie, die Opfer dieser grausamen Krankheit wurden. In vielen Fällen sind es die Eltern gewesen, die mit ihrem Tod Waisen oder Halbwaisen zurückgelassen haben. In Waterloo, Vorort der Hauptstadt Freetown, hat sie besonders aggressiv gewütet.

Mit der finanziellen Hilfe des CVJM Eberstadt (CVJM-Westbund) kümmert sich nun der YMCA in Waterloo um 150 dieser Ebola überlebenden Kinder und Jugendlichen im Ort. Dafür wurden extra zehn junge Erwachsene aus den Reihen des Ortsvereins ausgebildet. Sie sollen Ansprechpartner sein, um das Vergangene zu verarbeiten, denn die Überlebenden haben Fürchterliches mit ansehen und durchstehen müssen. In den Tagen der Seuche wurden sie gemieden und ausgegrenzt – selbst wenn sie nach einer Zeit der Quarantäne mit einem Zertifikat als „Nicht-Ebola-Infizierte“ ausgestatten wurden. Doch die Angst der Anderen saß tiefer! Und durch den Tod von Elternteilen hat sich die wirtschaftliche Situation der Familien zum Teil extrem verschlechtert, so dass fünfzig von ihnen auch Lebensmittelhilfe erhalten.

Ein schlimmer Effekt der Seuche ist auch eine steil angestiegene Zahl von Teenagerschwangerschaften. Sie sind das Ergebnis von in dieser Zeit geschlossenen Schulen und eingeschränkter Bewegungsfreiheit. Einige dieser Kinder und Jugendlichen treffe ich im Vereinsheim des YMCA, gleich am Ende des langen Straßenmarktes von Waterloo. Alle haben sie ihre „Ebola-Unbedenklichkeitsbescheinigungen“ dabei. Selbst einem kleinen Fünfjährigen klemmt sie unter dem Arm.

CVJM steht mit seinem Dreieck für die Ganzheitlichkeit von Körper, Seele und Geist. Und in dieser Ganzheitlichkeit widmet sich der YMCA Waterloo diesen Opfern der Ebola-Seuche vor Ort. Es gibt Gesprächsmöglichkeiten, Verpflegung und auch die geistliche Dimension kommt nicht zu kurz. Für uns in Deutschland noch gewöhnungsbedürftig: Ein Teil dieser jungen Leute sind Moslems, denn im Land leben beide Religionen friedlich nebeneinander. Also hat der YMCA für die Begleitung und Umsetzung dieses Programms sinnvoller Weise auch betroffene Erwachsene dieser Religionsgemeinschaft in das Komitee, verantwortlich für die Umsetzung, berufen. Und so betet zum Abschluss der Zusammenkunft ein Moslem stellvertretend auf seine Weise zu Allah und ein junger Christ in der uns im CVJM vertrauten, nämlich zum Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, dem Vater des Jesus, der uns zum Christus, zum Erlöser geworden ist.

Klassenzimmer in einer Küchenbaracke – Die Schulen des YMCA Sierra Leone

Die Südregion des YMCA hat ihr Zentrum in der zweitgrößten Stadt des Landes, in Bo. Dort sind eine Schule und ein Berufsausbildungszentrum des YMCA untergebracht und natürlich auch das Büro des Regionalsekretärs Solomon Ernest. Der Komplex ist einige Zeit nach dem Rebellenkrieg entstanden und seine Kapazität ist erschöpft. Vor ein paar Jahren kam ich zu Besuch und staunte nicht schlecht, denn die Verantwortlichen der Region hatten das Fundament für einen Erweiterungsbau gelegt, um mehr 20 Klassenräume zu bekommen. Dieses örtliche Engagement war ein gutes Zeichen. Der Bedarf war da, und mit ihren eigenen bescheidenen Mitteln hatten sie einfach schon mal mit dem Bauen begonnen.

Das war genau die Motivation, die Region dabei zu unterstützen. Viele Ortsvereine haben sich daran beteiligt, aber auch einzelne CVJMer. Statt Geschenke zu runden Geburtstagen wurden Geldgaben für das Regionalzentrum in Bo gewünscht. Eine Goldhochzeit war Anlass, den Bau zu unterstützen und selbst zur Beerdigung eines langjährigen Vorsitzenden wurde statt Blumen und Kränze Hilfe für die Schule erbeten.

Jetzt ist Januar – und es ist erst ein paar Wochen her, Sierra Leone war am 7. November Ebola frei erklärt worden, da konnte man endlich die Einweihung des schön gestrichenen Erdgeschosses feiern! Verschiedene Klassen der YMCA-Schule haben ihre neuen Räume schon in Beschlag genommen, und sie scheinen sich darin wohl zu fühlen. Wenn man sich den Neubau genau ansieht, dann merkt man sofort, dass hier noch Einiges geschehen soll. Durch ein weiteres Stockwerk soll nämlich die Kapazität der 2 Schule erhöht werden. Das wird dann noch mehr Kindern aus dem Umfeld die Möglichkeit geben, eine qualitativ gute Schulausbildung zu bekommen.

Unsere nächste Station ist Kenema, die drittgrößte Stadt des Landes. Der Beginn hier war gleich nach dem Rebellenkrieg. Ursprünglich erlernten junge Erwachsene mit geringer Schulbildung in einem angemieteten Gebäude Grundfertigkeiten eines Handwerks. Später konnte ein Grundstück erworben werden. Mit Hilfe dieser Azubis wurde dann das eigene YMCABerufsausbildungszentrum errichtet. Hier lernen nun angehende Maurer, Schreiner und Schneiderinnen.

Zu Beginn war um diesen Neubau herum noch nicht viel los. Doch nach und nach wuchsen eingeschossige Häuser in die Höhe und die Menschen zogen ein. Jetzt gibt es in der Nachbarschaft viele Kinder aber keine Schule. Und einige der Schneiderinnen-Azubi haben schon eigene, die sie täglich mitbringen. So wurde erst ganz klein und bescheiden in einem Werkstattraum begonnen, Kinder zu unterrichten. Die Klassen wuchsen, und es brauchte eigene Räume für diese Grundschule. Drei Klassenräume wurden jetzt auch hier fertiggestellt und eingeweiht. Auch hier muss künftig noch erweitert werden, denn selbst die kleine Küchenbaracke des Zentrums ist zu einem Klassenzimmer umfunktioniert worden – hier ein Blick durch eine Mauerlücke in die „Bildungsküche“.

Es ist sehr eindrücklich, wie die Verantwortlichen des YMCA in Kenema einen dringenden Bedarf in ihrem direkten Umfeld wahrgenommen und nach einer Lösung gesucht haben – und dabei waren sie ausgesprochen erfolgreich. Damit ist der YMCA Sierra Leone jetzt Träger von drei Schulen im Land Die Älteste steht in Kissy, einem Vorort von Freetown.

Gottesdienst im Rohbau – Erweiterung des YMCARegionalzentrums Bo, Sierra Leone

Die Südregion des YMCA Sierra Leone, Westafrika, ist immer für eine Überraschung gut! Eben erst im Januar konnte ich die Vollendung des Erdgeschosses des Schulerweiterungsbaus im Regionalzentrum in Bo bestaunen. Und jetzt im Juli traue ich meinen Augen nicht. Mit den nicht gerade üppig zur Verfügung stehenden Geldmitteln ist im Rohbau bereits ein weiteres Stockwerk mit Dach errichtet worden und das gerade noch rechtzeitig zum Beginn der Regenzeit. Und das kann in Sierra Leone heißen, dass es die ganze Zeit regnet. 24 Stunden Dauerguss sind keine Seltenheit, und da ist das Dach ein sehr notwendiger Schutz, so dass die Betondecke des Erdgeschosses nicht durchfeuchten kann. Dort oben werden drei Büros entstehen, die vermietet werden sollen und eine große Versammlungshalle. Obwohl noch im Rohbau, feiert hier bereits eine Kirche, in der auch einige YMCAer Mitglieder sind, sonntags ihren Gottesdienst. Regionalsekretär Solomon Ernest und Christian Kamara, der Generalsekretär des YMCA Sierra Leone , haben allen Grund, auf das Erreichte stolz zu sein!

Wütende Trommelwirbel – Regenzeit am Löwengebirge in Sierra Leone

Blauer Himmel, strahlende Sonne und wohlige Wärme sind Standardklischees für Westafrika. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Touristen vor allem dann vor Ort sind, wenn dieses auch so zutrifft. Doch einige Monate im Jahr kann‘s dort im tropischen Afrika auch ganz anders zugehen, dann ist nämlich Regenzeit und die herrscht jetzt.

Ich sitze in meinem Zimmer im YMCA-Hostel in Freetown, der Hauptstadt von Sierra Leone. Um mich herum geht nichts mehr, denn es regnet. Nein! Es schüttet! Eine Regenfront hat sich über das Löwengebirge geschoben und deren triefende Wolken gleiten tiefer und tiefer, decken sich über die Siedlungen und Häuser am Hang, die nun nicht mehr zu sehen sind. Und es ist laut, hämmernd laut, denn die fetten Tropfen zerplatzen prasselnd auf den Wellblechdächern der umliegenden Hütten und Häuser, ein nicht enden wollender wütender Trommelwirbel.

Nichts geht mehr, das trifft auch für die Mitarbeiter des YMCA-Nationalverbandes zu. Das Satelliten gestützte Internet funktioniert nicht mehr, weil kaum noch Empfang da ist. Alle Treffen und Verabredungen außerhalb des Hauses fallen buchstäblich ins Wasser. Was bleibt, das sind Telefonate und Arbeiten am Schreibtisch. Nur im Notfall verlässt man jetzt noch das Haus, und solch ein Tropenguss kann schnell mal Stunden dauern, einer in diesen Tagen brachte es auf gute 24 Stunden.

Bäche werden zu reißenden Strömen, die sich durch wilde Schluchten des Löwengebirges hinunter in die große Meeresbucht ergießen und die dort auf dem Schlick gebauten Slums unter Wasser setzen. Immer wieder gibt es dann auch Ertrunkene zu beklagen. Und wer nun trotz der Wassermassen von oben unterwegs ist, bekommt es schnell mit den Wassermassen am Boden zu tun, denn nicht asphaltierte Straßen werden mit ihren Schlaglöchern schnell zu kleinen Seenplatten, durch die sich Motorräder, Autos und LKW kämpfen müssen. Mir wird gesagt, das der Monat August gewöhnlich den meisten Regen bringe, so dass sich die Menschen, die es sich finanziell leisten können, einen Lebensmittelvorrat anlegen, wollen sie nicht wegen dringender Einkäufe triefend nass werden.

Doch natürlich hat die Regenzeit auch ihre positiven Seiten. Das sind die Tage, in denen Sumpfreis ausgepflanzt wird und wachsen kann. Das ist die Zeit, in der die beiden großen Stauseen des Landes wieder gefüllt werden. Sie sind Trinkwasserspeicher und Stromerzeuger gleichermaßen. Dieser Regen sichert das Leben in den Monaten der Trockenzeit, die bald wieder kommen wird

Eckard M. Geisler

CVJM-Bundessekretär für Weltdienst und Internationale Beziehungen

emg@cvjm-westbund.de

Mehr Informationen über den CVJM-Weltdienst und die Arbeit der Partner-CVJM gibt’s auf der Homepage des CVJM-Westbundes: www.cvjm-westbund.de/weltdienst/cvjm-weltdienst

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