Kirchengemeinde Rahden im Dritten Reich

Diepholzer Kreisblatt

Pfarrer i.R. Dr. Werner Kreft referiert über Kirchenkreis im Dritten Reich

Der Mantel des Schweigens lässt sich nur schwer lüften

Dr. Werner Kreft befasste sich mit der Geschichte des Kirchenkreises Lübbecke vor und während der NS-Zeit.  - Fotos: Russ

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Dr. Werner Kreft befasste sich mit der Geschichte des Kirchenkreises Lübbecke vor und während der NS-Zeit.  – Fotos: Russ

Rahden – Die aktuelle Debatte über Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, um hier Schutz vor Verfolgung zu suchen war für Oliver Nickel, Jugendreferent der Kirchengemeinde Rahden, Anlass, sich eingehender mit der Vergangenheit der Stadt Rahden und auch der seiner eigenen Familie speziell im Dritten Reich zu befassen. Doch wo immer er zu bohren begann, wurde….

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Vortrag Dr. Werner Kreft

kreft Vortrag

Rahden im Drittem Reich

Dr. Werner Kreft referierte anlässlich der Themenwoche „Leaving no one behind“ über die Rolle der #kirchengemeinderahden. Er nahm die Zuhörer zu nächst mit in die Zeit vor 1850 und skizzierte die weltpolitische und kirchliche Lage. Was waren die Gründe, dass es in Westfalen die unierte Landeskirche gab und welche besonderen Herausforderungen waren damit verbunden. So ist die Westfälische Landeskirchen eine der ältesten demokratischen Systeme in Deutschland. Und die Presbyterien sind die Basis auf dem alles sich entwickelt.
Danach veranschaulichte der Referent das Aufkommen des Nationalsozialismus und die Hoffnung, die die Menschen im wirtschaftlichen Niedergang von den Versprechen A. Hitlers sich versprachen. Die Region im nördlichen Kreis Lübbecke war sehr arm und die Heuerlinge lebten unter dem Existenzminimum. Hr. Kreft verdeutlichte dies auch mit Zahlen der Wahlen. Der Kreis Lübbecke war einer der ersten Regionen, in dem die Menschen zu fast 100 % die NSDAP wählten.

Tag von Potsdam

Anschaulich erzählte er vom „Tag von Potsdam“ zum Frühlingsanfang am 21. März 1933. An diesem Tag inszenierte Hitler und der neuernannte Propagandaminister Joseph Goebbels am Traditionsort preußischer Geschichte die „Versöhnung des alten mit dem jungen Deutschland“. Der Tag in Potsdam begann mit Festgottesdiensten, denn auch Vertreter der Kirchen wollten bei der propagierten nationalen Versöhnung nicht abseits stehen. Danach kam es auf den Stufen der Garnisonskirche zu der millionenfach reproduzierten Begegnung zwischen Hindenburg und Hitler. A. Hitler verbeugte sich tief vor dem Reichspräsidenten, der die Uniform eines kaiserlichen Generalfeldmarschalls trug. Auf den Postkarten ist dies natürlich anders dargestellt. Der Rahdener Maler Prof. Langhorst stellte A.Hitler nicht in gebückter Pose da, sondern aufrecht mit hocherhobenem Haupt.
Die Gemeinde der Garnisonskirche hatte das Orgelspiel, Choral singen und Glockengeläut untersagt. Die Propaganda der NSDAP war aber geschickter. In der anschließend ausgestrahlten Radiosendung wurde der Choral und das Glockengeläut einfach von Schaltplatte eingespielt.

Pfarrernotbund

Im aufkommenden Kirchenkampf zwischen Pfarrernotbund und den Deutsch Christen zeigt sich aber nicht ein so deutliches Bild wie bei den Wahlen im Lübbecker Land. Obwohl fast alle die NSDAP gewählt hatten, lehnten viele Christen und Presbyterien die Ziele der Deutschen Christen ab.
Zum Ende wurde Hr. Kreft konkret in Bezug auf die Kirchengemeinde Rahden. Gibt es aus Nachbargemeinden Berichte über Streitigkeiten mit NSDAP Funktionären, gibt es aus Rahden wenig bis nichts zuberichten. In den Protokollen der Gemeinde finden sich keine Hinweise über die politischen Ereignisse. „Die Gemeinde und die Pfarrer haben sich weggeduckt,“ so Hr. Kreft. Das sei nicht rühmlich, aber eine Nähe zu den Deutschen Christen Liese sich nicht nachweisen.

Es war für die Menschen und Christen nicht leicht, in der damaligen Zeit, das richtige zu tun. Um so mehr gilt es zu jeder Zeit wachsam zu sein. Die Werte des gesellschaftlichen Zusammenlebens scheinen sich zur Zeit zu ändern. Hier sollen und müssen Christen im Hören auf Gottes Wort immer wieder Stellung zu politischen Strömungen nehmen.

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