Kinder erzählen über ihre Heimat – Das Opferfest

Das Buch Projekt ist mittlerweile schon fertig: seht selbst!

Das Opferfest ist das wichtigste Fest, das wir Muslime in Syrien, Im Irak, und überall feiern und dauert vier Tage. Auf Arabisch heißt das Fest „et al daheq“. Einmal im Jahr feiern wir das Fest. Es ist aber unterschiedlich wann, da sich das nach dem islamischen Mondkalender richtet. Dieses Jahr war es im September. Ich komme aus Syrien. Als ich mit meiner Familie noch in Syrien war, lief das Opferfest immer so ab: Am Morgen des ersten Tages bin ich mit meinem Vater immer zum Rinderzüchter gefahren, der gleichzeitig auch ein guter Freund von meinem Vater war. Er fragte uns, wie schwer das Rind, das er schlachten sollte, sein muss. Meistens haben wir gesagt, dass es 50 kg wiegen soll. Daraufhin hat der Händer das Rind für Allah geopfert. Opfern heißt, dass man Gott oder Allah ein Geschenk gibt. Meistens sind das Tiere, aber auch Pflanzen kann man opfern. In meiner Religion, dem Islam, opfert man, indem man das Rind schlachtet und dabei „Allahu Akbar“ ruft. Das heißt auf deutsch „Gott ist der Größte“. Dies hat der Freund meines Vaters getan und uns dann gefragt, wie er das Rind aufteilen soll. Das Fleisch haben wir dann in Tüten gepackt und haben den Händler bezahlt. Nach dem Tieropfer sind wir dann, wie jede Familie durch die Stadt gefahren und verteilten das Fleisch an die Menschen, die nicht so viel Geld haben, um sich Fleisch zu kaufen. Mein Vater hatte in Syrien einen guten Freund, der aber leider schon lange tot ist. Zu seiner Frau und seinen Kindern, denen es nicht gut geht und die nicht viel Geld haben, fuhren wir zuerst und haben ihnen Fleisch und Reis geschenkt, dann haben wir noch andere Familien abgeklappert. Es ist ein sehr schönes Gefühl, wenn man anderen Menschen eine Freude macht und die Dankbarkeit spürt. Naürlich kann es sich nicht Jeder leisten, ein Rind zu kaufen, um es dann zu opfern. Deshalb kaufen manche Muslime auch einfach andere Lebensmittel oder opfern ein kleineres Tier, z.B. ein Huhn. Alle, die können, sollten etwas spenden und tun das auch. Manche sagen, dass man wenn man nichts an die Armen Menschen verteilt, in der nächsten Zeit Pech hat und ich glaube das auch. Als meine Mutter, mein Vater, meine Geschwister und ich aus Syrien geflohen sind, haben wir für eine Zeit lang in Jordanien gelebt in sehr engen Zimmern. Wir konnten nicht das Opferfest feiern und somit auch nichts spenden. Danach hatten wir oft Pech. Zum Beispiel ist mein Bruder mehrfach gestolpert.Aber beim Opferfest fahren wir nicht nur die ganze Zeit herum und spenden Fleisch. Wir gehen auch noch in die Moschee und beten. Außerdem findet manchmal ein großes Feuerwerk statt. Und das Essen darf selbstverständlich auch nicht fehlen. Wenn kein Fleisch mehr da ist kauft man sich, wenn man kann, noch mehr und spendet am nächsten Tag weiter, weil das Fest ja vier Tage lang geht. Jetzt wohnen wir in Deutschland. Hier können wir zwar nicht selbst opfern, weil das in Deutschland verboten ist, aber feiern können wir trotzdem. Mein Vater hat dieses Jahr beim Opferfest mit seinem Freund und Händler in Syrien telefoniert und ihn gebeten, in seinem Namen ein Rind zu opfern und es zu verteilen, auch an die Familie seines ehemaligen Freundes. Meine Mutter hat auch mit ihren Freunden in Syrien telefoniert und sie auch gebeten, etwas zu Essen zu verteilen. So war es auch in Deutschland ein schönes Opferfest, aber trotzdem etwas ganz anderes, als in Syrien.

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