Flüchtlinge zur Generalprobe eingeladen

20151203_190427-1Die Mitglieder der Schatulle haben die Flüchtlinge aus Rahden zur Generalprobe ihres neuen Stückes eingeladen. Wenn auf Grund der sprachlichen Hindernisse die „internationalen“ Gäste nicht die ganze brisanz des Stückes verstanden, so hatten sie doch große Freude an dem bunten Bühnenstück und den schauspielerischen Leistungen.

Die VHS-Laienspielgruppe „Schatulle“ hat wieder eine liebevoll gemachte Theatervorführung realisiert. Eine tolle Geschichte mit prächtiger Bühnendeko im alten Rahdener Bahnhof auf die Beine gestellt. „Titania und Oberon“ von dem norddeutschen Theaterautor Ingo Sax wird noch am 11. Und 12. Dezember aufgeführt.
Ursprünglich stammen die Figuren Titania, die Elfenkönigin, und Oberon, der Troll, aus Shakespeares Sommernachtstraum. Autor Sax hat sich vor einigen Jahren die Frage gestellt, wie wohl dieses ungleiche Paar zusammengekommen ist? Schließlich sind die grazilen Elfen die Herrscher über Luft und Wasser und die klobigen Trolle, Herrscher über Erde und Feuer, doch nicht richtig kompatibel.
In der klassischen Fabelwelt beherrschen die beiden gemeinsam die Welt. Auf der Schatullen-Bühne gibt es zwei Welten: Links das Elfenreich, bunt und grün mit Plätscherbrunnen, rechts das Land der Trolle, dunkel und schmuddelig mit Feuerstelle und Amboss. Die Elfen sind Königin Lucinda, Mutter von Titania sowie Vater und Alt-König Aerius.
Die abenteuerlich geschminkten Trolle repräsentierten König Elberich, Gattin Hermia und der Nachwuchskönig Oberon.
In der Geschichte prallen Welten aufeinander: Titanias Eltern und die anderen Elfen sehen in den Trollen zunächst nur „Stinker“, sie sind für sie ein „primitives Pack“. Beim Wasserholen treffen die Trolle Thar und Oberon zufällig auf die Tochter der Elfenherrscher. Oberon merkt als erster, dass die Elfen wohl doch keinen gefährlichen Stachel haben und in Gestalt von Titania sogar ganz süß sein können. Er schenkt ihr ein Goldstück.
Dieser erste, zaghafte Kontakt wird von allen anderen als Tabubruch gewertet. Es werden Verteidigungs Strategien auf beiden Seiten entwickelt. Der unbedachte Theaterbesucher mag in diesem Stück vielleicht nur ein nettes Weihnachtsmärchen sehen. Wer sich aber die Mühe macht über Elfen mit Migrationshintergrund oder die ethische Dimension des unermüdlichen Gold Schürfens bei den Trollen nachzudenken, der findet eine ganze Menge gesellschaftskritische Ansetze in diesem Stück. Die Schauspieler halten den Besuchern einen Spiegel vor! Wie gehst Du mit dem Fremden um? Was bedeutet für Dich Reichtum? Bist Du bereit zum Teilen? Lässt Du Dich von Vorurteilen leiten oder wagst Du, es neue Erfahrungen mit dem Fremden zu machen?
Ein hochaktuelles Stück, dass unseren Umgang mit Finanzen, Flüchtlingen und Gastfreundschaft aufgreift.
Karten gibt es für beide Veranstaltungen noch!
https://www.vhs-luebbeckerland.de/schatulle